|
Vom Mittelalter bis zur Gegenwart
Das deutsche Vokalensemble „Die Singphoniker“ wurde vor drei Jahrzehnten von 6 damaligen Studenten der
Musikhochschule München gegründet, zu einer Zeit, in der die Comedian Harmonists mit ihrem fantastischen Ensemblegesang und den so einzigartigen Arrangements nach Jahrzehnten der Vergessenheit - ausgelöst durch
Fechners Fernsehdokumentation - in den Fokus der historischen Musikwissenschaft gerieten und gleichzeitig die englischen King´s Singers in Deutschland mit ihrer Programmmischung vom Madrigal übers Zeitgenössische bis zur
Close Harmony ein breiteres Publikum zu begeistern begannen.
Gleich von Anfang an war den Singphonikern bewusst, dass reines Epigonentum auf Dauer echten Spaß und Erfolg
nicht bringen würde. Die Frage war vielmehr: Gibt es eine deutsche Tradition vokaler Kammermusik für Männerstimmen - abseits der damals weit verbreiteten Tümelei im Laien-Männerchor - die zu pflegen und
fortzusetzen und mit der ganzen Bandbreite der Musik unserer Zeit in Verbindung zu bringen sich lohnt? Aber ja! Die Archive hielten einige Schätze im Verborgenen bereit. Mit Neugier und Entdeckergeist machte man sich auf eine
spannende Reise, die in der Folge immer wieder auch in Fachkreisen für Überraschungen sorgte.
Werke wie Schuberts „Mehrstimmige Gesänge“ etwa bilden für die Singphoniker seitdem das Zentrum einer
deutschsprachigen romantischen Tradition. Erstaunlich ist, was sich von Lasso bis Orff (beide ja der singphonischen Heimat München lange Jahre verbunden) oder von Grieg bis Lobos darum herum alles an wunderbaren
Kompositionen entdecken ließ. Im Spannungsfeld von historischem deutschen Vorbild, aktueller internationaler Vokalensembleszene, wieder belebter und weiterentwickelter deutscher Tradition und all der spannenden Musik
unserer Tage haben sich die Singphoniker ein breites Repertoire und unverwechselbares Profil im Kreise der wenigen weltweit agierenden Vokalsolistenensembles erarbeitet. Die Einbeziehung des Klaviers in allen
Musikstilen und Epochen schärft künstlerisches Profil und Unverwechselbarkeit zusätzlich.
Zahlreiche Preise und Auszeichnungen und die fruchtbare Partnerschaft mit vielen namhaften Künstlern – darunter z
.B. Gert Westphal, Ute Lemper oder Angelika Kirchschlager - künden von ihrem Ansehen. Ebenso arbeiten sie regelmäßig mit internationalen Orchestern (zuletzt Gulbenkian Orchester Lissabon, NDR-Radiophilharmonie) und
Dirigenten zusammen (u.a. Sir Lawrence Foster, Paul Daniel, Ulf Schirmer, Howard Griffiths). Einer ganzen Reihe renommierter zeitgenössischer Komponisten verdankt das Ensemble viele spannende Beiträge
zum Repertoire. Auch die derzeitige Besetzung pflegt begeistert diese Tradition und entdeckt mit Freude Neues.
Den Singphonikern wird immer wieder attestiert, scheinbar mühelos die Kunst zu beherrschen, Leichtem Gewicht zu verleihen und Schweres mit Leichtigkeit zu präsentieren. Bemerkenswert ist, dass dabei alles andere als ein
beliebiges Nebeneinander entsteht, vielmehr die Grenzen zwischen sogenannter U- und E-Musik durchlässig werden, sich Renaissancemusik und Moderne, Pop und Gospel, Schlager und Volkslied zu einem neuen Ganzen
fügen, einer Einheit mit neuem Sinn. Reizvolle Kontraste, schillernde Farben und ungeahnt unerhörte Verbindungen können sich dabei auftun. Ihr Ensembleklang - der schon immer konsequent auf alle Hilfsmittel technischer
Klanganreicherung verzichtet hat - gilt als warmtönend, gleichermaßen fein ausbalanciert bis geschlossen kraftvoll,
vom tiefsten Dunkel bis zum strahlendsten Licht alle Facetten einer rein männlichen Besetzung widerspiegelnd. Sechs Stimmen, vereint im Ziel, jenen musikalischen Sog zu entfachen, der berührt und mitzureißen vermag.
|